Wenn ein Mensch etwas falsch gemacht hat, vergiss nicht all die Dinge, die er vorher richtig gemacht.

Was bedeutet es eigentliche, jemandem zu verzeihen? Im besten Fall ist der erste Schritt davon, die Entschuldigung des Gegenübers anzunehmen. Wenn ich ehrlich bin, ich glaube, ich nehme vergleichsweise schnell eine Entschuldigung an. Ich finde, niemand ist frei von Fehlern und jedem passieren auch mal Fehler. Mich eingeschlossen.

Ich selbst möchte, dass meine Entschuldigungen angenommen werden und mir eine neue Chance gegeben wird. Deshalb versuche ich, diese Möglichkeit auch anderen zu geben. Irgendwie dachte ich früher immer, dass mit einer Entschuldigung automatisch das Verzeihen einhergeht. Wenn ich ehrlich bin, denke ich das heute nicht mehr.

Ich hatte mit Menschen Aussprachen, in denen sich entschuldigt wurde. Ich gab diese Entschuldigung oder nahm sie an. Danach war die zwischenmenschliche Beziehung nicht wie vorher, aber mit der Zeit war wirklich wieder alles gut, für mich zumindest. Es fühlte sich wieder gut an und aus der Entschuldigung folgte tatsächlich das Verzeihen.

Ich hatte auch schon mit Menschen Aussprachen, in denen sich entschuldigt wurde. Ich gab diese Entschuldigung oder nahm sie an. Danach war die zwischenmenschliche Beziehung nicht wie vorher und mit der Zeit war auch nicht wieder alles gut. In diesen Fällen geht es besonders um Entschuldigungen, die ich angenommen habe. Die andere Partei lebte nach der Aussprache gut damit weiter, so wirkte es zumindest. Ich hingegen konnte nicht vergessen, was geschehen war. Ich konnte den Fehler nicht vergessen, auch wenn ich die Entschuldigung annahm. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte nicht. Ich konnte es weder vergessen noch verzeihen, ich nahm lediglich die Entschuldigung an. Ich gab demjenigen eine neue Chance, ich versuchte es zumindest. Ich war aber diejenige, die immer noch unter dem Fehler und seinen Folgen litt. Ich wurde verletzt und die Narben rissen immer wieder auf.

Worauf ich hinaus möchte: Für mich ist verzeihen der Moment, indem mit dem Fehler anderer gelebt werden kann. Indem der Fehler in der Gegenwart keine Gefühle mehr auslösen kann. Indem der Fehler einfach nur noch ein vergangenes Ereignis darstellt, aus dem man wieder etwas Neues im Umgang mit Menschen gelernt hat. Und wenn ich bisher eins gelernt habe, dann, dass es immer gut ist, die Möglichkeit einer neuen Chance zu schaffen, man jedoch bei bestimmten Fehlern nicht erwarten darf, dass einem verziehen werden kann. Denn ich verstehe unter verzeihen, es vergessen zu können. Um es mit Worten von Lou zu sagen: Verzeihen bedeutet auch, mit den Fehlern anderer nach einiger Zeit seinen inneren Frieden finden zu können.

Etwas zu verzeihen ist nicht unmöglich, nur ich glaube, man kann erst nach etwas verstrichener Zeit sagen, ob man wirklich verzeihen kann.

Sprecht euch aus. Hört euch zu. Respektiert euch. Versetzt euch in die Lage des anderen. Sucht auch bei euch nach möglichen Fehlerquellen. Entschuldigt euch. Nehmt auch für das Verzeihen Zeit – gebt dem Verzeihen eine Chance.

Lia

Wenn man es nicht erwartet, tritt das Unerwartete ein.

In meinem letzten Beitrag Mut ist wie ein Regenschirm… habe ich davon berichtet, bis heute keine Antwort erhalten zu haben. Ich schrieb, wie erleichtert und befreit ich mich dennoch gefühlt habe. Ich hatte sogar soweit mit der Tatsache abgeschlossen, keine Antwort mehr zu erhalten, dass ich in den letzten Tagen gar nicht mehr an ihn und den Emailverkehr denken musste.

Bis heute…

Heute morgen guckte ich auf mein Handy, beantwortete ein paar Nachrichten und legte es danach beiseite. Im Moment gibt es viel zu organisieren, weshalb ich irgendwann nach ein paar Stunden wieder auf mein Handy schaute. Eigentlich auch nur, weil ich etwas nachgucken musste.

Ich machte mein Handy an, sah ein paar Nachrichten und zwischen diesen einen Hinweis auf eine Email. Eine Email, die den Absender des jungen Mannes trug, auf dessen Antwort ich schon nicht mehr gewartet habe.

Schlagartig wurde ich nervös, schrieb Lou und musste erst einmal die Tatsache realisieren, dass ich wirklich eine Antwort erhalten hatte. Und was für eine liebe Antwort! Alle Gedanken und Sorgen waren eigentlich nicht nötig gewesen. So ist es doch aber häufig. Man denkt so viel nach und am Ende ist die Antwort so simple: Kurzarbeit. Er schaut nur selten in seine Emails, weil er sich in Kurzarbeit befindet. Deshalb auch die späte Antwort.

Jetzt brauche ich noch eine gute Antwort und dann heißt es wieder abwarten, aber dieses Mal ohne sich den Kopf zu zerbrechen.

Der Spruch hat sich wieder einmal bestätigt. Wenn man es nicht (mehr) erwartet, dann tritt das Unerwartete ein. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, kann man diskutieren…

Lia

Mut ist wie ein Regenschirm…

…wenn man ihn braucht, fehlt er einem.

STOP

In meinem letzten Beitrag Irritiert – Das trifft es am Besten war ich maßlos mit meiner Situation überfordert. Der junge Mann antwortete mir auch nach meinem Blogbeitrag weiter nicht.

Es verging noch eine Woche voller Fragezeichen in meinem Kopf. Nach folglich zwei Wochen, ohne eine Antwort, hatte ich das Bedürfnis, etwas tun zu müssen. Weiter abwarten und sich erdenkliche Fragen und Szenarien vorzustellen, raubte zu viel Energie und Zeit.

Daher schrieb ich ihm diese Woche noch eine Mail. Ich fragte, ob meine vorherige Email angekommen sei. Gleich nach dem Absenden dieser Nachricht fühlte ich mich viel besser und sehr erleichtert. Ich hätte niemals mit so einer Reaktion meinerseits gerechnet. Obwohl ich bis heute keine Antwort von ihm erhalten habe, denke ich fast gar nicht mehr an sein Nicht-Antworten oder an mögliche Gründe dafür.

Ich fühle mich richtig gut und mir ist es sogar ziemlich egal geworden, ob ich jemals noch eine Antwort bekommen werde. Natürlich ist es irgendwo schade. Ich habe aber alles gegeben. Mehr konnte ich nicht tun. Ich bin stolz, dass ich mich überhaupt getraut habe, Kontakt aufzunehmen. Und die ganze Sache hat noch etwas Positives: Mit seiner ersten Nachricht konnte er mir schon wirklich sehr weiterhelfen.

Deshalb kann ich jedem nur ans Herz legen: Sei mutig, traue dich! Es schafft Erfahrungen, Stärke und verjagt ewige Gedankenkarusselle.

Du wirst es meistern!

Lia

Irritiert – Das trifft es am Besten

Vor ein paar Jahren habe ich während eines Praktikums einen jungen Mann kennengelernt. Wir verstanden uns auf Anhieb gut, so jedenfalls mein Gefühl. Wir redeten viel, sehr viel. Irgendwie hatte ich den Eindruck, als hätte die Chemie zwischen uns von Anfang an gestimmt. Unsere Lebenssituationen waren jedoch noch sehr weit auseinander, was uns beide abgeschreckt hat, denke ich. Ich denke es. Ich denke das alles, nur wissen tue ich es nicht. Ich kenne seine Ansichten nicht.

Jedenfalls sahen wir uns genau einen Tag in diesem Unternehmen. An diesem Tag gab es jedoch keine Verabschiedung. Ich kam aus meiner Pause, als er in seine ging und ich fuhr nach Hause, bevor er wiederkam. Das mag vielleicht komisch klingen, aber ich nahm diese Tatsache als einen Hinweis wahr, dass wir uns wiedersehen werden. Vielleicht habe ich es mir auch einfach nur sehr gewünscht, ihn noch einmal zu begegnen und interpretierte es deshalb so.

Ich weiß es nicht. Ich weiß generell nichts so wirklich, was mit dieser Begegnung zu tun hat. Das Einzige, was ich sicher sagen kann, ist, dass ich diesen Tag, diesen Menschen, bis heute nicht vergessen habe. Wir haben bis heute keinen erneuten Kontakt gehabt. Durch einen Zufall, an dessen Betitelung ich zweifel, fand ich seinen vollständigen Namen sowie eine Email-Adresse heraus. Nach Monaten entschloss ich dann, es zu wagen und ihn zu kontaktieren. Diese Möglichkeit kam mir sehr gelegen, denn ich hatte Fragen zu einem beruflichen Thema, mit welchem er sich auskennen würde, das wusste ich.

Also sah ich diese Chance als eine Doppelte an und schrieb ihm eine Mail. Es erscheint mir an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass es sich dabei um seine berufliche Mailadresse handelte. Kaum hatte ich die Mail versendet und Lou davon berichtet, erschien auf meinem Handydisplay die Anzeige: Er hatte mir geantwortet. Ich war total aus dem Häuschen. Ich wusste vorher nicht zu hundert Prozent genau, dass diese Email-Adresse ihm gehört. In seiner Mail bestätigte er mir glücklicherweise meine Vermutung. Er war es.

Wieder schrieb ich Lou, dann musste ich erstmal eine Yogaeinheit machen. Ich wusste überhaupt nicht, wie ich antworten soll. Überstürzen wollte ich auch nichts. Nach dem Yoga überlegte ich mir eine Antwort und schrieb am Ende der Mail eine weitere Frage zu dem beruflichen Thema, um das es in unserem Mailverkehr ging. Er hat mir daraufhin bis heute nicht geantwortet. Ich bin total irritiert. Seine erste Antwort kam so schnell, war super lieb, hilfsbereit und offen. Jetzt warte ich seit einer Woche… Okay für manche ist es vielleicht „erst“ eine Woche, ich weiß. Nur in Hinblick auf seine erste Antwort ist es „schon“ eine Woche.

Ich bin absolut ratlos und verwirrt, irritiert. Mein Kopf ist voller Fragezeichen. Hat er meine Mail noch nicht gelesen? Hat er Urlaub? Hat er vergessen zu antworten? Sieht er in meiner Mail keine Frage zum Antworten? Will er einfach nicht antworten? Ist meine Email nicht angekommen? Letzte Frage kann ich mir eigentlich selbst beantworten: Die Mail ist angekommen. Nur frage ich mich im Moment alles, was möglich sein könnte. Ich hoffe so sehr auf eine Antwort. Mir fällt es schwer, wenn ein Kontakt so endet, wenn er für mich noch nicht so weit ist, um ihn nachvollziehbar für beendet zu erklären. Wie lange kann ich realistisch gesehen noch auf eine Antwort hoffen? Ich hoffe, das Ganze klärt sich bald auf. Ich muss darauf vertrauen und der Zeit ihre Arbeit machen lassen. Es fällt nur so verdammt schwer, abzuwarten.


Lia